Kenia - nicht nur Löwen und Elefanten
auch Fische und Schlangen im Mangrovensumpf







Wir tauchen ein ins letzte Jahrhundert - fast 40 Jahre sind vergangen, als ich das erste Mal in Nairobi aus dem Flugzeug stieg und den Boden von Kenia betrat. Es sind die ersten Jahre der Unabhängigkeit des Landes, wo nicht mehr die englische Königin Souverän, sondern der 71 jährige Jomo Kenyatta, als erster Präsident der Republik Kenia, die Macht hatte, ein Mann vom Kikuyu Stamm – das größte und wichtigste Volk des Vielvölkerstaates.

Der Handel mit Elfenbein und tierischen Produkten boomte, da dass internationale WA (Washingtoner-Artenschutzübereinkommen), welches den Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen regelt, erst 1978 in Kraft trat. Aus Kenia wurde Elfenbein, präparierte Tiere, Felle, Accessoires und Kitsch aus tierischen Produkten, aber auch Gold, sowie Kostbarkeiten von den Naturvölkern außer Land geschafft.

Geplant war eine touristische Normalkost, d.h. ein Badeurlaub und eine Safari. Nun hatte Kenia noch nicht den Touristenboom und der African Safari Club kann wohl als Pionier in Kenia angesehen werden, da er einer der ersten war, der mit guten Hotelanlagen am Indischen Ozean vertreten war. Wobei Jomo Kenyatta als Präsident auch da ein Wort mitgeredet hat, da sie an ausgesuchten Stränden in Kenia gebaut wurden.

Nun hatte ich guten Kontakt zu diesem Club und im Zebra Jet starteten wir von Basel nach Nairobi und weiter zum Indischen Ozean nach Mombasa. Es war ein Badeurlaub, etwas Tauchen und Hochseeangeln, einige Fotos schießen und als kleines Highlight war eine mehrtägige Safari auf eigene Faust geplant.

Durch meine Beziehungen viel es mir etwas leichter und ich hatte schnell Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. Da waren die einen, die förmlich in Kenia am Indischen Ozean das Geld machten und die anderen, die nicht das Geld hatten, jedoch ihre Hilfe war für mich sehr wertvoll. Ich wurde förmlich durch diese kontrastreiche Gesellschaft rumgereicht, was mir gefiel. So haben wir in Mombasa über den Hafen im First Class Restaurant Langusten gegessen und einen Tag später habe ich den Kontakt zu den Menschen aufgesucht, die in unvorstellbarer Weise ein Schiff, welches im Hafen vom Mombasa lag, noch per Hand gelöscht haben. Fotografierverbot war angesagt. Wir besuchten Inder, die es in diesem Land geschäftlich zu gesellschaftlichem Ansehen gebracht haben (wie auch immer) und Einheimische z.b. eine Familie vom Giriama Stamm, die nur eine Hütte hatte und einen Einbaum.



Nachmittags, wenn Tee-Time angesagt war, trafen sich nicht nur die Hotelgäste für einen Plausch am Swimmingpool, auch deutsche Weltenbummler, die mit ihrem VW Bus auf einer Afrika Rundreise waren, gesellten sich dazu und genossen das leckere Gebäck und den leckeren Kuchen – alles war möglich.
Abends, at Dinner Time, lagen meine zwei geangelten Dolphins schon reichlich zerpflückt auf dem Büffettisch und ich musste mich mit dem Rest zufrieden geben, da ich etwas zu spät kam. Anschließend an der Hotelbar war Hochbetrieb und ich unterhielt mich u.a. mit dem Manager der Anlage, sowie mit einem Großwildjäger, der aus dem Busch - schnell mal mit seinem Flugzeug - für einen Drink vorbeigekommen war und mit anderen Personen.
Es war eine farbenfrohe Gesellschaft, wo ich interessante Menschen kennengelernt habe, unter anderem auch Mark S. Easterbrook, der in der Nähe von Malindi eine Schlangenfarm hatte. Jedenfalls haben mir einige dieser Kontakte weitergeholfen, denn in Kenia läuft die Zeit etwas anders, da pole-pole (langsam langsam) angesagt war.

Für meine geplante Safari, benötigte ich eine etwas bessere Straßenkarte, sowie von den Nationalparks Karten, die ich zu der Zeit nicht an der Küste kaufen konnte. Nach Kenia Art – pole pole – bekam ich dann nach einigen Tagen eine Handvoll Karten und mit Erstaunen gleich sehr gute, denn sie hatten den Charakter von Militärkarten, wo fast jeder Strauch, Sumpf- und Lavagebiete, sowie Flüsse und Pfade usw. eingezeichnet waren.
Am nächsten Tag, buchte ich per Funk die Übernachtungen in den Lodgen und mietete mir - nach reiflicher Überlegung - einen VW Käfer, da ich kein anderes Auto mehr bekommen konnte, obwohl ich es reserviert hatte. Vier Personen musste der VW befördern und nur etwas Gepäck, unser Rundumblick war etwas begrenzt, jetzt gab es jedoch kein Halten mehr und wir starteten entlang dem Galana River, durchquerten den Savo Ost Park und mussten feststellen, dass unsere Theorie - die Lodge noch im Hellen zu erreichen – nicht aufging; nicht dass unser VW Käfer streikte, jedoch war er für einige Streckenabschnitte nicht gerade ein taugliches Auto, da ich mich den Verhältnissen anpassen musste.
Die ersten Spannungen traten bei uns im Käfer auf, denn wir kamen auch in den Genuss, das Großwild im Scheinwerferlicht zu beobachten, da Elefanten und andere Tierarten uns den Weg versperrten. Problemlos haben wir jedoch unsere Voi Safari Lodge, die zur Hilton Gruppe gehörte, erreicht. Jedoch war der Kontrast sehr groß, als wir mit roten Gesichtern und roter Kleidung - vom Lehm verstaubt - die Hilton Logde betraten, wo die Herrschaften in weißer Abendgradrobe saßen.
Früh am nächsten Tag fuhren wir weiter durch den Tsavo West Nationalpark und weiter über die Taita Hills zum Aboseli Game Reservat, wo wir am nächsten Tag im Morgenlicht den Kilimandscharo bewunderten. Die nähere Umgebung wurde durchstreift und dann machten wir uns auf dem Rückweg, besuchten das Krokodil Point und weiter gen Süden nach Mombasa, wo reichlich Schlangen (Puffottern) eingerollt die Wärme der Strasse genossen, wobei einige bereits von Fahrzeugen überfahren waren.
Es war eine touristische Normalkost, die jedoch sehr spannend war, da wir ständig mit Überraschungen konfrontiert wurden. Elefanten, Giraffen, Kaffernbüffel, Gnus, Nilpferde, Krokodile, Löwen, Gazellenarten, Paviane und reichlich andere Arten konnten wir beobachten. Ich war fasziniert, da ich dieses Großwild so hautnah in freier Natur noch nicht erlebt habe.
Ich verliebte mich in dieses Land mit den Tieren, sah auch ihre Gefahren, denn unzählige Skelette von Großwild z.B. Elefanten, die von Wilderern oder Großwildjägern getötet worden waren, entdeckten wir. Diese Bilder haben mich beeindruckt und es war der Beginn einer langen Freundschaft mit dem Land, den Menschen und den Tieren.

Nun hatte ich Zucker geleckt und wollte mehr erleben - eine etwas größere Foto Safari wurde geplant, die Organisation wurde von Zuhause vorbereitet und ein Jahr später flogen wir erneut mit dem Zebra Jet vom African Safari Club nach Kenia.
Drei allradangetriebene Fahrzeuge standen bereit, auf "pole pole" waren wir nicht mehr angewiesen. Unser Equipment und zig Kanister mit Benzin wurden verstaut, wir hatten die besten Karten und nun durchquerten wir kreuz und quer Kenia.





Fast jeden Winkel haben wir aufgesucht, im Süden die Dornbusch- und Schirmakazien-Savannen, sowie im Norden die im Indischem Ozean gelegene Insel Lamu, wo wir auf der Fahrt gen Norden an der Küste im Sumpfgebiet am Tana River etliche Reifenschäden bekammen und uns ein Flugzeug neue Reifen bringen musste. Wir haben fast überall geschlafen, ob es an einer Militärstation war und wir auf unsere Reifen warteten, wo man uns Konvoischutz angeboten hat, da hier und an der Somalischen Grenze ständig mit Überfällen zu rechnen war.
Bei den Naturvölkern im Norden, in den Fahrzeugen, Zelten und Lehmhütten, aber auch in Camps, sowie in den edlen Lodgen, z.B. im Baumhaushotel, dem "Treetops", wo Elisabeth am 6.Februar 1952 auf ihrer Hochzeitsreise erfuhr, dass sie durch den Tod ihres Vaters Königin geworden war.
Rund fünftausend Kilometer fuhren wir über Schotterwege, Dornbusch- und Schirmakazien-Savannen, unsere Fahrzeuge schoben sich durch 2 m hohes Gras, es ging durch Sumpfgebiete und trockene Flüsse und auch über Asphaltstrassen. Die Liste der Reservate ist lang, Tsavo East National Park, Tsavo West Nationalpark, Amboseli Game Reserve, Masai Mara Game Reserve, Aberdares, Mt. Kenia, Meru National Park, Samburu Game Reserve, um nur einige zu nennen, wir haben den Äquator überquert und eine Zwischenstation wurde eingelegt bei der ehemaligen Farm von Caren Blixen sowie das Camp von George und Joy Adamson, die mit den Löwen lebte.
Was wir erlebt haben, war für uns Europäer unvorstellbar. Ich freundete mich an mit einem Massai, lernte den Sohn des Innenministers von Kenia kennen, der in England studiert hatte, jedoch jetzt in seinem Kral, ein kleiner König war. Wir haben Fotos über Fotos geschossen und einige Naturvölker konnten die Welt nicht mehr verstehen, da ich zwei kleine Plastikköpfe in den Farben schwarz und weiß an meinem Hemd als Anstecker - links und rechts - befestigt hatte, wo die Augen durch Leuchtdioden ständig blinkten.
Ich glaube, ich war ein weißer Medizinmann für sie, jedenfalls wurde ich so umlagert. Diese kleinen Köpfe mit blinkenden Augen, sorgten immer für gute Stimmung. Ich kannte es aus anderen Ländern und ich hatte eine ganze Palette unterschiedliche Glücksbringer bei mir, die ich zum Teil mal eingesetzt habe, um die Wirkung zu sehen und auch verschenkt habe – nicht an Kinder, für die hatte ich Bonbons. Mir wurde Hilfe angeboten – einen Massai als Begleiter wollte man mir für einige Tage geben. Ein Naturspezialist, der mir anhand der Geräusche z.B. beim Knacken der Äste, mir die Tierart nannte - obwohl noch kein Tier sichtbar wahr.
Vielen Einheimischen muss ich mein Dank aussprechen, die uns geholfen haben, denn unsere Fotosafari hatte es in sich – es war keine touristische Normalkost mehr, leider waren drei Mitglieder den Strapazen nicht mehr gewachsen – sie setzten sich mit einem Fahrzeug ab und fuhren zurück zur Hotelanlage.


Wir fuhren weiter – durch die Halbwüste im Norden, durch Lavagebiete, vorbei an verloschenen Vulkanen, besuchten den Lake Naivasha sowie Nakuru, einmalige Vogelparadiese sowie Wasserfälle und standen im tropischen Regenwald am Mount Kenia und besuchten auch Mark Easterbrook in der Gegend um Malindi – dieses war unser letztes Ziel.
Er zog mit uns in die Mangrovensümpfe - es war nur eine kleine Expedition, wo wir gespannt auf dem Boden, in den Bäumen, nach allen Seiten mit offenen Augen die gefährlichen Schlangen von Ost Afrika suchten. 12 Augen suchten, wir haben sie nicht nur gesehen, die grünen Mambas, sondern auch für wissenschaftliche Zwecke gefangen, förmlich von den Bäumen gepflückt – dieses alles liegt 40 Jahre zurück und ist in meinem Gedächtnis fest verankert.


4 Links, die etwas mehr sagen:
http://www.univie.ac.at/biografiA/daten/text/bio/adamson.htm
http://www.afrikabibliothek.de/asp/BuchSelect.asp?par=ID&val=4705
http://www.naturekenya.org/Downloads/jldownloads/malonzatoprint.pdf
http://www.peterbeard.com/work.htm