Ruth Eckstein

Die eigentliche Heimat des Expressionismus ist Deutschland; von jeher versucht man in unserem Land das Dämonische mit seiner Kunst zu erfassen. Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich das erste Mal Ruth Eckstein gegenüber saß und wir uns über die große Entfaltungsmöglichkeit des Expressionismus und über das Geistige in ihrer Kunst unterhielten.

Es war in ihrem Atelier in Hagen, ich war noch ein junger Maler und fasziniert von diesem Gespräch. Damals habe ich nicht damit gerechnet, dass es der Anfang einer kollegialen Freundschaft werden sollte. Inzwischen liegen über 30 Jahre hinter uns und ich habe unzählige fruchtbare Diskussionen mit Ruth Eckstein geführt. Zu ihrem Kreis gehörten Toni Farwik, Lis Goebel, Eva Niestrath und Grete Penner.

Ruth Eckstein hat sich niemals auf die Dauer einem strengen Dogma unterworfen. Immer wieder suchte sie nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Suchte diese im Gegenständlichen, aber auch im abstrahierenden Bereich. Mit Menschen setzt sie sich auseinander – in ihren Collagen findet man sie in eigenwilliger Form wieder mit all ihren farbigen – hellen und dunklen – Seiten. Jedes Material ist ihr recht, in ihren Collagen wird fast alles verarbeitet: gebrauchtes Kohlepapier, Fahrkarten, Stoffreste sowie Zeitungspapier, Farbe und Sand.

Ruth Eckstein ist eine Sammlerin; in ihrem Atelier liegen stapelweise Papier, beschriebene Karten, Briefe, Aktendeckel und andere Materialein. Erinnerungen werden wach, die sich in Ernst Meisters Gedicht ausdrücken, der mit Ruth Eckstein bekannt war.

Sie ist immer auf der Suche nach etwas Neuem. Erst wenn ein Bezug zum Gegenstand erzielt wurde, wird dieser in eine Arbeit einfließen und sich mit anderen Materialien zu einer Einheit verschmelzen.

Ihre Werke besitzen dieses Geistige und Dämonische – das, was mich beim ersten Gespräch so fasziniert hat. Mit Ruth Ecksteins Arbeiten muss man sich befassen um sie zu verstehen; eine schnelle, oberflächliche Ansicht wird einen nicht zum Geistigen hinführen. Ruth Ecksteins Kunst ist nicht gefällig, aber sie ist erfüllt von innerer Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit.

Vorwort vom Katalog: Ruth Eckstein, Arbeiten 1948-1994
Text: Heinz-Otto Kamphues
Gedicht: „Ein Stück Zeitungspapier“ Ernst Meister (1911-1979)

Ruth Eckstein

Künstlerin: Ruth Eckstein

Ruth Eckstein

Künstlerin: Ruth Eckstein