Ringkøbing Fjord





Unsere landschaftliche Vielfalt wurde geprägt vom Ringkøbing Fjord, der einer Lagune gleicht und vom Meer getrennt ist - durch einen Dünengürtel von 30 Kilometer Länge, den Holmsland Klit (Klit =Düne).

Mit einer Fläche von 300 km2, ist er Dänemarks größtes Gewässer. Seine Zuläufe von 3964 qm2, die Skjern Aue (Dänemarks größtes Fliessgewässersystem), sowie die Lydum Au und einige andere Auen, betragen etwa 8% von Dänemarks Gesamtfläche.

In früheren Zeiten hatte der Fjord eine natürliche Verbindung zur Nordsee, etwa in der Mitte des Holmslands Klit, gegenüber der Mündung der Skjern Au. Die Nordsee, mit ihrer Naturkraft sorgte dafür, dass dieser Auslauf sich ständig nach Süden verschob, was zur Folge hatte, dass der Nymindegab Strom, wo einst ein wichtiger Hafen lag, ständiger Veränderung unterworfen war, was letztlich zur Versandung führte. Von hier aus wurden nicht nur Waren auf Lastkähnen nach Ringköbing geschifft, sondern auch Fische über Land bis nach Hamburg gekarrt. Noch heute findet man am Nymindegabstrom, die Überreste aus vergangen Zeiten und die alten Esehäuser strahlen wieder im Glanz, da sie auf den alten Ruinen rekonstruiert wurden.

Da man diese Versandung nicht aufhalten konnte, auf die Schifffahrt jedoch nicht verzichten wollte, wurde Holmsland Klitt in Höhe von Hvide Sande in den Jahren 1909 /10 durchstoßen. Es war eine schmale 26 m breite Verbindung zur Nordsee, die jedoch von den Sturmfluten schon ein Jahr später vernichtet wurde. Der Kanal brach zusammen und die Öffnung vergrößerte sich auf über 200 Meter, die man nur mühsam im Jahre 1915 wieder schließen konnte. 1923 begann man erneut einen Kanal mit Hafen zu bauen. Im Jahre 1931 wurde die Ortschaft Hvide Sande gegründet und der Hafen sowie die Schleuse in der heutigen Form eröffnet.

Heute mündet der Fjord in die Nordsee bei der Schleuse in Hvide Sande, die für den Wasseraustausch im Fjord sorgt. Ihre Aufgaben haben sich jedoch im Laufe der Jahre verändert, denn in früheren Zeiten arbeitete sie im Sinne der Landwirtschaft. Seit 1989 jedoch im Sinne der Natur, damit eine bessere Wasserqualität mit mehr Salzgehalt erzielt wird.

Der Fjord mit seinen flachen Arealen - seine tiefste Stelle ist etwa 4,5 m und ca. die Hälfte des Fjordes hat nur eine Tiefe von 1,5 m - ist ein wertvolles Gebiet für Zugvögel. Zwei mal im Jahr, besuchen Hunderttausende von Zugvögeln den Ringköbig Fjord; die Fjordlandschaft sowie die näheren Umgebung sind ihr Rastplätze. Oft verweilen sie mehrere Wochen in unserer Gegend, bevor sie ihren Flug zum Sommer- oder Winterquartier fortsetzen. Das Gebiet um den Fjord lädt Interessierte förmlich ein für Vogelbeobachtungen. Auch als Brutplatz ist es bekannt und einige seltenen Vogelarten haben inzwischen hier ihr Zuhause gefunden. Grosse Teile des Fjordes sind als Naturschutzgebiet, gemäß des Ramsar-Übereinkommens und der EG-Vogelschutzrichtlinie ausgelegt. Zu erwähnen ist die südliche Halbinsel Tipperne, die eine recht junge Landschaft ist und sich durch Ablagerungen von Sand und Klei gebildet hat. Heute ist es das größte Vogelschutzgebiet Nordeuropas.

Dieser flache Fjord zieht aber nicht nur die Vögel an, sondern auch Jahr für Jahr Surfer aus der ganzen Welt, denn er gehört zu den besten Surfgebieten in Europa. Bedingt durch die Lage sind die Windeigenschaften ideal und häufig beträgt die Geschwindigkeit 10-12 m/s. Für den Anfänger ist er durch seine flachen Zonen beliebt, denn dort wo die Windsurfschulen sich befinden, kann man oft Hunderte von Metern vom Ufer entfernt noch knietief im Wasser stehen. Man sagt sogar, er soll Nordeuropas bestes Surfgebiet sein – es muss wohl stimmen, denn Tausende von Surfern suchen ihn jedes Jahr auf.


Werfen wir mal ein Blick unter der Wasseroberfläche:
Bis Anfang der 70iger Jahre war der Fjord noch im guten Zustand, mit einer Wasserflora aus Seegras und anderen Wasserpflanzen, in bis zu 2 m Tiefe an einigen Stellen sogar bis zu 3 m Tiefe und mit einem Artenreichtum an Pflanzen und Tieren – das Wasser war klar mit einer Sichtweite von bis 2 m.

In den Jahren 1978-84 verschlechterte sich der Zustand des Fjordes, bedingt durch die Landwirtschaft im Hinterland. Über die Fliessgewässer wurden dem Fjord Nährstoffe, Stickstoff und Phosphor zugeführt, wodurch sich eine starke Algenbildung entwickelte. Besonders die Blaugrünalge hat es in sich, da sie das Wasser trübt ...

Das Wasser wurde so stark getrübt, dass das Licht fehlte für die Wasserpflanzen. Die Wasserpflanzen gingen zurück und aus den Tiefen verschwanden sie sogar ganz. Im Sommer war die Sichtweite nur 60 cm, tiefer als 60 cm war kein Pflanzenwuchs mehr vorhanden.

Wasserpflanzen jedoch bieten Fischen und anderen Tieren Verstecke, verankern das Bodenmaterial und sind Nahrung für Vögel. Der Abbau der Algen verbraucht Sauerstoff, Sauerstoffmangel tritt ein, welches zu Massensterben der Fischfauna führen kann. Bei stürmischen Wetter werden Bodenpartikelchen frei gesetzt, was zur weiteren Trübung des Wasser führt, gleichzeitig werden aus dem Boden Nährstoffe freigesetzt.

Eine weitere Beeinträchtigung, sind die großen Mengen Ocker, die dem Fjord zugeführt werden, die aus den Entwässerungsgräben der Landwirtschaft stammen. Das hatte zur Folge, dass im Bereich der Mündung der Skjern Au die Wasserflora erstickte, sowie die Fischeier vernichtet wuden.

Der Fjord befand sich in einem Teufelskreis.

Ohne gesundes Wasser kann nichts Leben. Das Wasser ist die Grundlage für die Entwicklung des Lebens auf unserem Erdball. Tiere, Pflanzen und auch Menschen sind auf gute Wasserqualität angewiesen. Jede Beeinflussung kann zu katastrophalen Folgen führen und beeinträchtigt zuerst die aquatische Fauna und Flora – wie es am Ringköbig Fjord für den Experten sichtbar wurde.

Die Wissenschaftler hatten es erkannt und der dänische Staat reagierte. Die Skjern Enge wurde wieder renaturiert – es war Nordeuropas teuerstes Naturschutzprojekt. Parallel wurden die Auflagen an alle, die Einfluss auf das Gewässersystem haben, verschärft. Darunter fielen u.a. die Kläranlagen, die Landwirtschaft, die Fischzuchtanstalten, sowie die Fischerei. Seit 1989 arbeitet die Schleuse nicht mehr für die Landwirtschaft, sondern für die Natur, damit der Fjord wieder seine robuste Brackwasserbedingungen bekommt.

Um den Lachsbestand zu bewahren, wurden eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet. In der Skjern Au lebt Dänemarks ältester Lachs Stamm; dieser wurde gestärkt durch gezielte Besatzmaßnahmen. Am Ringköbing Fjord setzt man sich ebenfalls für die Fischart Helt ein. Diese Fischart, gehört zu den Salmoniden bzw. Coregonen und wird auch Große Maräne (Coregonus lavaretus) genannt. Der Bestand der Großen Maräne konte sich durch die schlechte Wasserqualität kaum noch selbst erhalten. Die Fischeier wurden mit einer Ockerschicht bedeckt und dadurch vernichtet. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, besuchen Sie unseren Fischatlas, dort können sich über einen Link einen Film ansehen, was alles bei uns unter Wasser gemacht wird.

Eine gute Nachricht: die Erfolge sind sichtbar und die Wasserqualität hat sich verbessert.

Beide Projekte verbuchen große Erfolge, was man anhand von Zählungen durch elektrische Abfischen, sowie durch den Fang beweisen kann. Im Jahre 2000 wurden 5 Tonnen von der Fischart Helt gefangen und im Jahre 2006 wieder 88 Tonnen. Der Fjord eignet sich auch ausgezeichnet für die Angelei: in einer atemberaubender Natur kann der Angler dem Fisch nachstellen. Viele Angler kommen jedes Jahr zu uns, sie lieben die Angeltage am Fjord.

Wer sich ein ausführliches Bild machen möchte, kann das im Haus der Fischerei in Hvide Sande tun: der Fjord, die Fischerei im Fjord, die Nordsee und das Rettungswesen werden hier ausführlich vorgestellt, in Form von Exponaten, Filmen usw. In großen Aquarien sind die Fischarten des Fjordes und der Nordsee zu bewundern.

Besonders wer sich für Fische interessiert, ist hier gut aufgehoben, man kann viele verschiedene Fischarten bewundern: vom Stichling im farbigen Hochzeitskleid, über die Farbenpracht einer großen Bachforelle, bis hin zum roten Knurrhahn, der durch seine Farbenfreude auch Schmetterling des Meeres genannt wird. Haie oder Rochen fehlen nicht, selbst das Leben in den Rocheneiern ist einen Blick wert. Für Kinder ist ein kleines Becken eingerichtet, fast wie ein Streichelzoo, wo der kleine Mann mal nach einer Krabbe greifen darf und damit dem Papa zeigt, dass er ein Mann ist. Kurz, es sind reichlich Fische dort zu bewundern und eine Cafeeterria mit Blick auf den Fjord lädt zum Verweilen ein.

Ein Besuch lohnt sich für Groß und Klein, da man diese Tierarten so selten zu Gesicht bekommt. Die Gäste des Lydum Art Center haben dort freien Eintritt und einen Kaffee können Sie auch kostenlos trinken.

Es könnte zum Pflichtprogramm werden.

Wir versuchen unser Bestes zu geben, damit unsere vielfältige Landschaft, die vom Fjord geprägt ist, uns erhalten bleibt.

Fischarten 1987 Ringkøbing Fjord:

  • Flussneunauge
  • Hering
  • Sprotte
  • Stint
  • Sandaal
  • Dorsch
  • Forelle
  • Bachforelle
  • Plötze
  • Aal
  • Aalmulte
  • Flunder
  • Neunauge
  • Hecht
  • Seezunge